Landkreis Tübingen: Holocaust-Gedenken am 27. Januar im Landratsamt
„Train de Loos“, Jugendguides und 25 Jahre Lilli-Zapf-Preis
Zum Holocaust-Gedenktag am Dienstag, 27. Januar 2026 lädt Landrat Dr. Hendrik Bednarz um 18:30 Uhr in den Großen Sitzungssaal des Tübinger Landratsamts ein. Aus Anlass des Gedenkens verleiht er 19 Jugendlichen, die im vergangenen Jahr eine Qualifizierung als Jugendguides absolviert haben, ihre Zertifikate. Einen weiteren Schwerpunkt des Abends bildet die Verleihung des Lilli-Zapf-Preises, der vor 25 Jahren ins Leben gerufen wurde. Inhaltlich steht das Projekt „Train de Loos“ am Kepler-Gymnasium Tübingen im Mittelpunkt des Abends. Die Schule hat über mehrere Jahre hinweg Biografien und eine deutsch-französische Ausstellung über Opfer des Nationalsozialismus erarbeitet. Kreisarchivar Prof. Dr. Wolfgang Sannwald moderiert die Veranstaltung. Der Eintritt ist frei; um formlose Anmeldung unter kultur@kreis-tuebingen.de wird gebeten.
Die Ausstellung „Train de Loos“ ist vom 27. Januar bis zum 13. März 2026 in der Glashalle des Landratsamts zu sehen. Am 2. Februar ist die Ausstellung nicht zugänglich. Termine für öffentliche Führungen durch die Ausstellung werden unter www.kreis-tuebingen.de veröffentlicht.
Vertiefende Informationen: Bei der Jugendguides-Qualifizierung durch den Landkreis Tübingen und KulturGUT e.V. setzen sich Jugendliche und junge Erwachsene mit NS-Verbrechen vor Ort auseinander und qualifizieren sich als Begleiter zu Orten des Erinnerns an NS-Verbrechen. Zu der Qualifizierung gehören Exkursionen zum ehemaligen Konzentrationslager Natzweiler-Struthof und zu regionalen Gedenkstätten, bei denen die jungen Erwachsenen Kompetenzen zur Vermittlung von Wissen und Erinnerung erwerben. Anmeldungen für die Jugendguides-Qualifizierung 2026 sind ab sofort möglich. Weitere Informationen unter www.jugendguides.de
Der Lilli-Zapf-Preis zeichnet Gruppen und Einzelpersonen aus, die sich vorbildlich gesellschaftlich und insbesondere erinnerungskulturell engagiert haben. Der Preis ist nach der Tübingerin Lilli Zapf (1896–1982) benannt. Lilli Zapf hat akribisch Informationen zu Jüdinnen und Juden in Tübingen recherchiert. Dies tat sie in couragierter jahrelanger Arbeit während der 1960er und 1970er Jahre, als kritisches Erinnern an NS-Verbrechen vor Ort noch auf Widerstand stieß. 2001 gründete sich in Tübingen der Verein zur Verleihung des Lilli-Zapf-Jugendpreises. Die 14 Wettbewerbe, die der Verein zwischen 2002 und 2015 durchgeführt hat, waren eine „jugendgemäße Form des Gedenkens und Mahnens“. Seit Auflösung des Vereins Ende 2017 vergibt KulturGUT e.V. diesen Preis. Das Jugendreferat und das Kreisarchiv des Landkreises Tübingen organisieren die Preisvergabe und die Preisverleihung.
Das Projekt „Train de Loos“ ist ein deutsch-französisches Projekt des Kepler-Gymnasiums Tübingen und des Lycée Blaise Pascal de Longuenesse zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus in Frankreich. Über drei Schuljahre hinweg haben Schüler:innen dabei geholfen, die Schicksale der Deportierten des letzten Konvois Nordfrankreichs, dem „Train de Loos“, anhand von Originalquellen aufzuarbeiten. Eine von den Schüler:innen erarbeitete Ausstellung führt in den historischen Kontext Frankreichs zwischen 1940 und 1945 ein und zeigt exemplarisch die Geschichte dreier junger Résistance-Kämpfer, die am 1. September 1944 mit dem „Train de Loos“ in deutsche Konzentrationslager gebracht worden sind. Der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus ist seit 1996 ein bundesweiter Gedenktag in Deutschland. Am 27. Januar 1945 erreichten Soldaten der Roten Armee das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau und befreiten dort die Überlebenden.
(Pressemitteilung Landratsamt Tübingen)
